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17.11.2016 - 13:53
Dreigeteilt

ITU Telecom World: Hat Telefónica bei 5G die Nase vorn?

3500-MHz-Band: Im Streubesitz

Das in Europa für 5G vorgesehene Band von 3400 bis 3800 MHz ist in Deutschland geteilt. Die untere Hälfte von 3400 bis 3600 MHz wurde 2006 für die Nutzung mit WLL-Diensten ("Wireless Local Loop", also Mobilfunk mit stationären Endgeräten als Festnetzersatz) versteigert. Diese Frequenzzuteilungen gelten bis Ende 2021. Der obere Teil dieses Bandes (von 3480 bis 3500 MHz und von 3580 bis 3600 MHz) ist sogar bis Ende 2022 vergeben. Noch schlimmer steht es um das Band von 3600 bis 3800 MHz. Hier gibt es einen Flickenteppich aus Zuteilungen für WLL, Richtfunk und Satelliten­downlink.

Für 5G kristallisieren sich drei Frequenzbänder in der EU heraus

Für 5G kristallisieren sich drei Frequenzbänder in der EU heraus
Foto: teltarif.de

Müssen also die Mobilfunk-Netzbetreiber hierzulande mit der Einführung von 5G bis 2022 warten, bis sie nach dem Auslaufen der WLL-Lizenzen zumindest die untere Hälfte des für 5G-Dienste essenziellen mittleren Bandes überhaupt für sich beanspruchen können? Wohl nicht. Denn die WLL-Dienste, die insbesondere auf der Basis von WiMAX und anderen Funkstandards realisiert wurden, fristen bis heute ein Nischendasein. Viele der Anbieter gingen bankrott und wurden dann von den Mobilfunk-Netzbetreibern günstig übernommen. So befinden sich zwei der drei ursprünglichen bundesweiten WLL-Lizenzen mittlerweile im Besitz des Telefónica-Konzerns. Dieser befindet sich in Sachen 5G damit in Deutschland in der Pole Position: Vorausgesetzt, die 5G-Endgeräte sind flexibel genug, mit dem für WLL vergebenen Frequenzmuster klarzukommen, könnte Telefónica sofort mit Unter- und Mittelband starten, in letzterem sogar mit 42 MHz gepaart, sobald der 5G-Standard verabschiedet ist und Netzbetreiber-Infrastruktur zur Verfügung steht!

Für das Band von 3600 bis 3800 MHz laufen derzeit hingegen ausführliche Tests bezüglich der Parallelnutzung mit 5G und Satelliten-Downlinks. Diese Tests verlaufen laut der GSM Association sehr vielversprechend. Dennoch erklärte Dr. Ali R. Ebad vom Satellitenbetreiber MEASAT auf der ITU Telecom World 2016, dass bereits die Absichtserklärung, dieses Band für 5G nutzen zu wollen, und die derzeitigen Tests dazu führen, dass die Preise, die für Satellitentransponder in diesem Band bezahlt werden, um die Hälfte gesunken sind. Je nach Region und Rechtslage könnten Netzbetreibern, die Frequenzen in diesem Bereich nutzen, teure Schadensersatzprozesse ins Haus stehen.

Das Ziel der Mobilfunk-Lobbyisten ist, dass im Bereich zwischen 3400 bis 3800 MHz jedem Netzbetreiber mindestens 100 MHz an kontinuierlichem, ungepaartem Spektrum zugeteilt werden. Das geht nur, wenn der gesamte Bereich vergeben wird und wenn die Koexistenz mit den Satellitenanwendungen gewährleistet wird. 26 GHz: Noch offen Noch offener ist die Situation bei 26 GHz. Anfang des Jahres gab es beispielsweise für Europa noch drei Kandidatenbänder: 24,5 bis 27,5 GHz, 31,8 bis 33,4 GHz und 40,5 bis 43,5 GHz. Mitte des Jahres schrieb die Bundesnetzagentur, daher erstmal abzuwarten, welcher der Kandidaten das Rennen macht, bevor weitere, konkretere Schritte in Richtung einer Frequenzauktion oder -zuteilung unternommen werden. Dabei erwartete die Agentur, dass sich der führende Kandidat bis Ende 2016 herauskristallisiert haben wird. Das ist in Übereinstimmung mit den Vorträgen auf der ITU Telecom World 2016 in Bangkok, auf der von allen Rednern für Europa das 26-GHz-Band als das wichtigste genannt wurde. Die Bundesnetzagentur wird daher ab 2017 aller Voraussicht nach die Vergabe dieses Bandes vorbereiten.

Das Gute am 26-GHz-Band ist, dass es dank seiner Breite die Zuweisung von je 1 GHz (ungepaart) an jeden der drei Netzbetreiber ermöglichen wird. Das ist das 50-fache der Bandbreite, die im unteren Frequenzband zur Verfügung steht! Die Ausbreitungscharakteristiken der hohen Frequenzen bewirken jedoch, dass sie praktisch nur bei direktem "Blick"-Kontakt vom Smartphone zur Basisstation genutzt werden können. Das 26-GHz-Band eignet sich also hervorragend zur dedizierten Versorgung von Fußballstadien, Flughäfen, Bahnhöfe, Messehallen, Fußgängerzonen in der Innenstadt und anderen hoch frequentierten Bereiche, jedoch auch nur dafür. Entsprechend werden für dieses Band von den Netzbetreibern wahrscheinlich gar keine bundesweiten, sondern nur regionale Hotspot-Lizenzen benötigt. Das vereinfacht die Koexistenz mit anderen Anwendungen, verkompliziert aber womöglich das Vergabe- oder Auktionsverfahren.

In einer weiteren Meldung beschreiben wir, wie der Frequenzfahrplan der Bundesnetzagentur aussieht.

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