pda.teltarif.de
Meldung Tipps & Info Tarifrechner 22.04.18
12.05.2017 - 14:22
Plan

1&1 und Drillisch: So soll die Fusion ablaufen

Plan: Drillisch bleibt eigenständig börsennotiert

Die heute veröffentlichte Ankündigung des Zu­sammen­schlusses von 1&1 und Drillisch wird den deutschen Tele­kommuni­kations­markt verändern. Beide Parteien träumen von einer neuen "vierten Kraft" auf dem Mobilfunkmarkt - es bleibt abzuwarten, welche Spuren die Fusion bei den bisherigen Netz­be­treibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica hinterlassen wird.

Organisation der Fusion - das sind die Pläne

Organisation der Fusion - das sind die Pläne
Logos: 1und1/Drillisch, Foto: 1und1

Doch nicht nur Kunden, Marktbeobachter, Kartellwächter und Auf­sichts­be­hörden werden den Zusammenschluss genau beobachten, auch Anteilseigner und Anleger sind von der Transaktion betroffen. Wir schauen uns darum einmal an, welche Pläne United Internet und Drillisch verfolgen, wie der Zeitplan des Zusammenschlusses aussieht und wie das gemeinsame Unternehmen im Anschluss organisatorisch aufgestellt sein wird. So wird die Fusion juristisch ablaufen Dass eine Fusion in dieser Größenordnung nicht ganz trivial ist, zeigt die Eingliederung der E-Plus-Gruppe in den Telefónica-Konzern. Eine langwierige Mobilfunk-Netzzusammenlegung steht bei 1&1 und Drillisch natürlich nicht an. Damit wirklich die geplanten Synergieeffekte auftreten, muss der Zusammenschluss aber gut vorbereitet und geplant werden.

Alle momentanen Planungen stehen unter dem Vorbehalt, dass eine Freigabe durch die Kartellbehörden stattfindet. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen soll in zwei Schritten stattfinden. Zunächst ist geplant, dass United Internet etwa 7,75 Prozent ihrer Anteile an der 1&1 Telecommunication SE im Zuge einer Sachkapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital unter Bezugsrechtsausschluss in Drillisch einbringt. United Internet soll im Gegenzug 9 062 169 neue Drillisch-Aktien erhalten, beide Partner bezeichnen dies als die "Kapitalerhöhung I". Durch diesen Schritt steigt die Beteiligung von United Internet an Drillisch von derzeit rund 20,08 Prozent auf etwas über 30 Prozent.

Im zweiten Schritt soll dann der verbliebene Anteil von etwa 92,25 Prozent an 1&1 Telecommunication gegen Ausgabe von insgesamt 107 937 831 neuen Drillisch-Aktien eingebracht werden. Dazu planen die Partner eine weitere Sachkapitalerhöhung unter Bezugsrechtsausschluss. Für dieses Vorgehen ist es erforderlich, dass eine außerordentliche Hauptversammlung von Drillisch zustimmt. Die Sitzung soll am 25. Juli stattfinden. Damit der Plan umgesetzt werden kann, ist die Zustimmung einer Mehrheit von 75 Prozent des vertretenen Kapitals erforderlich. Diesen Schritt bezeichnen die beiden Unternehmen als "Kapitalerhöhung II".

Das ist der Zeitplan für den Zusammenschluss

Das ist der Zeitplan für den Zusammenschluss
Bild: United Internet / Drillisch

Übernahme-Angebot an Drillisch-Aktionäre Als Alternative für kurzfristig orientierte Anleger plant United Internet, gegenüber den Aktionären von Drillisch ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot abzugeben. Dieses ist auf den Erwerb aller von diesen gehaltenen Drillisch-Aktien gerichtet. Hierbei handelt es sich also um ein klassisches Übernahmeangebot. Den dazu erforderlichen Beschluss hat United Internet bereits heute gefasst.

Drillisch-Aktionäre sollen vor die Wahl gestellt werden: Entweder sie behalten ihre Drillisch-Aktien und haben damit die Möglichkeit, von den Wachstums- und Synergiepotenzialen der Transaktion zu profitieren. Oder sie bieten ihre auf den Inhaber lautenden nennwertlosen Stückaktien zu einem Preis von 50 Euro je Aktie an. Dies sind laut United Internet 8,2 Prozent mehr als der volumengewichtete Dreimonats-Durchschnittskurs der Drillisch-Aktie zum Schlusskurs Stichtag 11. Mai 2017 - an diesem Tag lag der Wert bei 46,20 Euro. Die Angebotsunterlage und weitere Informationen zum Übernahmeangebot werden auf der Seite united-internet-bid.de veröffentlicht

Die Struktur der geplanten Transaktion

Die Struktur der geplanten Transaktion
Bild: United Internet / Drillisch

Das Barangebot soll zu den in der Angebotsunterlage darzulegenden Bedingungen erfolgen. Wie gesagt: Eine kartellrechtlichen Freigabe ist Voraussetzung für alle diese Schritte. Eine Mindestannahmeschwelle soll es nicht geben. Die Annahmefrist für das Übernahmeangebot soll Ende Mai nach Billigung der Angebotsunterlage durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beginnen und voraussichtlich Ende Juni enden. Die Finanzierung der im Rahmen des Übernahmeangebots angedienten Drillisch-Aktien will United Internet über Bankdarlehen sicherstellen. Läuft alles wie geplant, soll die Gesamttransaktion zum Jahresende 2017 abgeschlossen sein.

Sind die beiden Kapitalerhöhungen erfolgreich abgeschlossen, wird United Internet mit einem Anteil von rund 72,7 Prozent neuer Mehrheitsaktionär von Drillisch sein. Dazu kommen noch die Anteile, die United Internet im Zuge des Übernahmeangebots angeboten werden. Die Drillisch AG soll dabei weiterhin eine eigenständig börsennotierte Gesellschaft bleiben. Laut der heutigen Mitteilung soll es auch weiterhin "eine attraktive Dividendenpolitik bei Drillisch geben".

So sieht der Konzern nach der Fusion aus

So sieht der Konzern nach der Fusion aus
Bild: United Internet / Drillisch

Wer wird das neue Unternehmen leiten? Der jetzige Vorstandssprecher von Drillisch, Vlasios Choulidis, soll nach Abschluss der kompletten Transaktion aus der operativen Geschäftsführung in den Aufsichtsrat von Drillisch wechseln. Das gemeinsame Unternehmen soll von André Driesen, jetziger Finanzvorstand von Drillisch, und von Martin Witt sowie von Ralph Dommermuth geführt werden.

"Mit dem Zusammenschluss von 1&1 Telecommunication und Drillisch formen wir einen leistungsfähigen Telekommunikations-Komplettanbieter unter dem Dach von United Internet. 1&1 verfügt über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft. Drillisch ist ein schnell wachsender Mobilfunkanbieter mit einem attraktiven Produktportfolio. Gemeinsam können wir unseren Kunden künftig die komplette Produktpalette auf Basis heutiger und künftiger Netztechnologien aus einer Hand bieten: Highspeed DSL, mobiles Internet und passende Services", sagte Ralph Dommermuth heute.

Vlasios Choulidis, Vorstandssprecher von Drillisch, betonte hingegen den Vorteil des Abkommens mit Telefónica: "Unser Vertrag mit Telefónica zahlt sich immer mehr aus. Er garantiert uns für die nächsten Jahre vollen Zugriff auf die Netztechnologien der neuesten Generation, und das zu sehr guten Konditionen. Auf dieser Basis ist Drillisch in den vergangenen zwei Jahren bereits rasant gewachsen. Dennoch haben wir noch Luft nach oben: Denn der Anteil am Telefónica-Mobilfunknetz, den wir exklusiv nutzen dürfen, steigt von Jahr zu Jahr - auf bis zu 30 Prozent im Jahr 2020. Und dank unserer Verlängerungsoptionen haben wir dieses Recht bis mindestens 2030. Mit 1&1 Telecommunication haben wir den perfekten Partner gefunden, mit dem wir unser Wachstum weiter beschleunigen und unsere künftigen Kapazitäten noch besser nutzen können".

Ob der neue Telekommunikations-Konzern tatsächlich das Zeug zu einem vierten Mobilfunknetzbetreiber hat, haben wir in dieser Meldung erläutert: Drillisch-Übernahme könnte langfristig zu neuem Mobilfunknetz führen. teltarif.de-Podcast zur Drillisch-Fusion In unserem Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" besprechen wir in der aktuellen Folge die Übernahme von Drillisch durch United Internet. Hier können Sie direkt in die Folge reinhören oder diese als MP3 herunterladen:

als mp3 herunterladen

Anzeige:
Mehr zum Thema Übernahme

[Newsübersicht] RSS [Newsversand]